Palliativmedizin

Die 1994 gegründete Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin definiert Palliativmedizin folgendermaßen:

„Behandlung von Patienten mit einer nicht heilbaren und weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung, für die das Hauptziel der Begleitung die Lebensqualität ist.“

Hier geht es also nicht mehr um Heilung, sondern um ein möglichst symptomfreies, selbstbestimmtes Leben des sterbenskranken Menschen.


Hospizidee

Der Begriff leitet sich vom lateinischen Wort „hospitium“ ab, was soviel wie Gastfreundschaft bedeutet, aber auch den Ort der gastfreundlichen Aufnahme (Herberge) meint. Es waren vor allem geistliche Orden, die im Mittelalter zahlreiche Hospize in Europa errichteten.

Diese Herbergen boten nicht nur Reisenden Schutz, sondern auch Armen, Kranken und Sterbenden. Dem damaligen Glaubensverständnis entsprechend wurde das Leben als Pilgerfahrt zu Gott betrachtet. Hospize waren Orte der Geborgenheit - auch auf dem letzten Abschnitt dieser Reise.

Die englische Krankenschwester, Sozialarbeiterin und Ärztin Cicely Saunders (1918 – 2005) gab der Hospizidee im letzten Jahrhundert neuen Auftrieb mit der Eröffnung des St. Christopher's Hospice in London 1967. Ihr Ansatz war eine Pflegephilosophie, welche die Grundlage der heutigen Hospiz- und Palliativmedizin darstellt: mit ihrem Konzept sollten Sterbende so betreut werden, dass sich medizinische, pflegerische, spirituelle, soziale und psychologische Aspekte gegenseitig ergänzen.

“You matter because you are you, and you matter to the last moment of your life” (C. Saunders)
("Du zählst, weil du bist. Und du wirst bis zum letzten Augenblick deines Lebens eine Bedeutung haben")

Hospizarbeit

Hospizarbeit ist Sterbebegleitung durch befähigte ehrenamtliche Hospizmitarbeiter/innen. Sie stehen gemeinsam mit Pflegekräften, Medizinern, Sozialarbeitern und Theologen sterbenskranken Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt zur Seite.


Die Entwicklung der Hospizarbeit in Deutschland

Das ehrenamtliche Engagement in der Hospizbewegung wuchs stetig und mit ihm die Zahl der Hospizeinrichtungen in Deutschland. Der Bedarf an hospizlichen Angeboten ist in Deutschland aber bei weitem noch nicht gedeckt. Heute kommen auf 1 Million Einwohner in Deutschland erst 17 Palliativ- und Hospizbetten. Nach Berechnungen der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Hospiz liegt der tatsächliche Bedarf im stationären Bereich bei 50 Palliativ- und Hospizbetten pro 1 Million Einwohner.


Die Schwerpunkte der Hospizarbeit

Psychosoziale Begleitung  Sie umfasst den emotionalen Beistand der Sterbenden und ihrer Angehörigen. Sie hilft bei der Auseinandersetzung mit dem bevorstehenden Tod. Sie unterstützt alle Betroffenen bei der Bewältigung unerledigter Probleme.

Spiritueller Beistand  Er öffnet sich dem natürlichen Bedürfnis von Sterbenden, Fragen nach dem Sinn von Leben, Tod und Sterben und dem Danach zu stellen. In der Auseinandersetzung mit diesen letzten Fragen soll niemand alleine bleiben müssen.

Verbesserung der Lebensqualität  Am Ende seines Lebens soll ein Mensch nicht unter unerträglichen Schmerzen leiden müssen. Ganzheitliche Leidenslinderung durch die modernen Verfahren der Palliativmedizin hat damit höchste Priorität für würdig gelebte letzte Tage. Palliative Versorgung ist daher Bestandteil einer umfassend verstandenen Hospizarbeit. Die Verbesserung der Lebensqualität erfolgt somit durch das multidisziplinäre Zusammenwirken von mehreren Berufsgruppen.


Ambulanter Hospizdienst

Ein ambulanter Hospizdienst ist die Weiterentwicklung einer Hospizinitiative und verfügt über mind. fünfzehn qualifizierte (ausgebildete) Hospizhelfer sowie über eine(n) hauptamtlichen Koordinator(in), der/die zuständig ist für die Organisation und Koordination.

Die Hospizhelferschulung wird entweder selbst durchgeführt oder vermittelt; die Hospizmitarbeiter/innen erhalten Begleitung (z. B. Supervision) und Fortbildungen.


Palliativstützpunkt

Mit der flächendeckenden Einrichtung von Palliativstützpunkten in Niedersachsen soll die medizinische Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen verbessert werden.

Der Palliativstützpunkt versteht sich als Schnittstelle zwischen allen, die sich um schwerstkranke Menschen kümmern und hat das Ziel, die Versorgung möglichst gut für die Betroffenen zu gestalten. Durch eine intensive Kommunikation kooperieren die verschiedenen Einrichtungen und ehrenamtlichen Gruppen im Landkreis miteinander.

Der Palliativstützpunkt unterstützt:
- Schwerstkranke Menschen
- Angehörige
- Ärztinnen und Ärzte

- Pflegedienste

- Alten- und Pflegeheime

Zum Angebot des Palliativstützpunktes gehört:
- 24-Stunden-Hotline
- niedergelassene Fach- und Hausärzte mit spezieller Weiterbildung in Palliativmedizin
- ambulanter Pflegedienste mit wietergebildeten Pflegekräften in Palliative Care
- stationäres Hospiz
- Krankenhkaus mit Palliativstation
- Psychologen / Seelsorger 
- ambulanter Hospizdienst